• Patricia Lederer

So kontrolliert das Finanzamt die Buchhaltung

Nach nur 3 Mausklicks hat der Betriebsprüfer das Ergebnis. Wie funktioniert das? Wo schlägt die Software des Prüfers Alarm?


TaxPro Steuerexperten

Betriebsprüfung

19. Juli 2021

 

Heute gibt's Insiderwissen zur Betriebsprüfung.


Die Betriebsprüfer schauen sich die Zahlen in der Firma immer schneller an. Das passiert mit spezieller Software. Diese Software schlägt bei bestimmten Punkten Alarm und der Prüfer hat das Ergebnis direkt auf dem Laptop. Wie funktioniert das?


Das Finanzamt benutzt bei der Steuerprüfung die Software IDEA. Diese Software erkennt automatisch die typischen Probleme:

  • Sind die Rechnungsnummern fortlaufend durchnummeriert oder nicht?

  • Passen die Zahlen in der Buchhaltung zum Vorjahr? Wo sind die Abweichungen?

  • Macht die Firma Geschäfte im Ausland?

  • Gibt's bei der Inventur Auffälligkeiten?

  • Sind die Löhne und Gehälter korrekt abgerechnet?

  • Gibt es auffällige Bankbewegungen mit Konten der Mitarbeiter*innen?

  • Lassen sich bei der Zeiterfassung der Mitarbeiter Widersprüche aufdecken?

  • Sind die Abfindungen korrekt?

  • Stecken in den Rückstellungen Ungereimtheiten?

Was kontrolliert die Software denn sonst noch alles? Die Software IDEA schlägt immer dann an, wenn sie hier Auffälligkeiten analysiert. Für den Betriebsprüfer steht dann das Ergebnis bei der Prüfung schnell fest.


Genau darin liegt der Angriffspunkt bei der Betriebsprüfung. Denn die EDV gestützte Prüfung vermag nur Hinweise zu geben. Was wirklich in der Firma los ist und weshalb die Zahlen "auffällig" im Sinne der KI sind, erkennt die Software nicht.


Das ist aber steuerrechtlich geboten. Denn jede Steuerprüfung muss die individuellen Besonderheiten im Betrieb und in der Firma berücksichtigen. Eine pauschale und rein auf software generierte Analysen gestützte Betrachtung verbietet sich.


Der Bundesfinanzhof als oberstes Gericht in Steuersachen bestätigt das in einer Reihe von Urteilen. Die Rechtsprechung ist hier seit 2015 im Wandel, seitdem der Bundesfinanzhof dem sog. Zeitreihenvergleich eine klare Absage erteilt hat. Dieser Zeitreihenvergleich ist das Ergebnis software gestützter Analyse von Unternehmenszahlen. Er wurde und wird bis heute vom Finanzamt als Basis für die Schätzung von Umsätzen und Gewinnen eingesetzt.


Summasummarum: Die IDEA Software des Finanzamts kann viel, aber nicht alles.

Vor allem kann sie nicht in die Realität in der Firma reinschauen und erkennen, wie und warum es zu den Zahlen gekommen ist, die das Unternehmen erwirtschaftet.


Erfahren Sie mehr über die Buchhaltung im Visier der Betriebsprüfung.

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